Chefinfo Magazin 9-23

STEUERN UND RECHT. Welche rechtlichen und steuerlichen Hürden gibt es für Gründer und wie können sie diesen Hürdenlauf sportlich bewältigen? Experten geben Antworten von A wie Abgaben bis Z wie Zumutbarkeit. TEXT: Jürgen Philipp Legen wir zuerst ein paar Fakten auf den Tisch: 2022 gab es 5.499 Neugründungen, nur geringfügig weniger als 2021 mit 6.032 und 2020 mit 6.009, aber mehr als in den Jahren davor. Die Pandemie hielt also niemanden auf, neue Unternehmen zu gründen. 76,4 Prozent dieser neuen Firmen sind Einzelunternehmen, 15 Prozent GmbHs, 4,9 Prozent eingetragene Unternehmen (e.U.), 2,3 Prozent OGs, ein Prozent KGs, 0,3 Prozent Vereine und der Rest sonstige Rechtsformen. Quer durch die Bank sind davon rund sieben von zehn nach fünf Jahren noch aktiv. Gründen bleibt also attraktiv. So wie all diese Fakten erhob das Gründerservice der WKO auch die Hauptmotive um sich selbstständig zu machen. Bei Mehrfachnennungen wollen 69,4 Prozent die Verantwortung in einer selbstständigen Tätigkeit ausüben, 67,4 Prozent wollen ihre Zeit- und Lebensgestaltung flexibel halten und 65,4 Prozent ihr eigener Chef sein. Jünger und weiblicher Klare Gewinnerinnen dieses anhaltenden Gründungsbooms sind Frauen. Waren es 2006 nur 37,3 Prozent weibliche Gründungen, sind es 2022 schon 46 Prozent. Und ein weiterer Trend wird spürbar. Menschen, die sich für die Selbstständigkeit entscheiden, werden immer jünger. Mehr als ein Viertel, 25,9 Prozent, der Neugründungen des Jahres 2022, gehen auf 20- bis 30-Jährigen zurück. 30,9 Prozent entfallen auf die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen, 20,9 Prozent liegen zwischen 40 und 50 Lebensjahren. Egal in welchem Gewerbe, egal welches Geschlecht oder Alter – sich selbstständig zu machen liegt im Trend. Die Herausforderungen, aber auch die Chancen bleiben für alle gleich. Im Sonderteil Steuern & Recht erhalten Sie kompetente Antworten auf die häufigsten Gründerfragen. n STEUER/RECHT – GRÜNDER 60 | CHEFINFO | 9/2023 FOTOS: JASON REED / PHOTODISC DAS ABC, BIS Z, des Gründens FOTOS: EY, SKYNESHER / E+ / GETTY IMAGES GRÜNDERFREUNDLICHKEIT GLOBAL. Österreich bekam von Expats den Titel „unfreundlichstes Land der Welt“ verliehen. Erich Lehner, Geschäftsführer von EY, blickt auf die Unternehmerfreundlichkeit, und siehe da – auch hier sind wir bei einigem, diesmal in positivem Sinne, ganz vorne. TEXT: Jürgen Philipp Um die Gründerfreundlichkeit Österreichs ganzheitlich zu betrachten, muss man tiefergehen, findet Erich Lehner, Partner und Geschäftsführer von EY Österreich. Nur technische Rahmenbedingungen wie Steuern oder Gesellschaftsrecht zu untersuchen wäre zu verkürzt. „Man muss sich auch das soziokulturelle Umfeld ansehen, das beginnt im Kindergarten bzw. der Schule und zieht sich in vielen Medien durch. Im Tatort ist immer der Unternehmer der Gauner. Da haben wir noch viel Luft nach oben.“ Dabei gäbe es tolle Unternehmerpersönlichkeiten in Österreich. „Die Wahrnehmung trifft oft nicht die Realität. Diese ist viel besser, als sie wahrgenommen wird.“ Österreich: Besser, als wir glauben So zeigt der Global Entrepeneurship Monitor des Joanneum Graz, dass Österreich global bei Förderungen ganz oben steht. „Es ist zwar nicht ganz einfach, doch die ersten fünf Millionen Euro bekommt man in Österreich leichter als anderswo, und dafür werden wir beneidet.“ Das Problem ist die Weiterfinanzierung. „Unsere Kultur setzt auf Fremdfinanzierung. Das ist aber ohne Sicherheiten schwierig. Wir haben also eine Lücke bei Investments von über zehn Millionen Euro. Wir fördern also Unternehmen mit öffentlichem Risiko, wenn es um die Ernte dieser Früchte geht, ziehen uns US- oder asiatische Investoren Intellectual Properties ab.“ Wenn, so Lehner, nur ein Prozent der 400 Milliarden Euro auf Sparbüchern als privates Risikokapital eingesetzt werden würde, wäre viel zu gewinnen. Lehner lobt auch die heimischen Unis und FHs. „Kapital, Know-how und Rolemodels wären da, was im akademischen Umfeld fehlt, sind Spin-offs.“ Auch die digitalen Verwaltungstools wie Finanz-Online sieht Lehner auf der Habenseite. „Da waren wir bei den Ersten dabei.“ Eine Frage des Mindsets Abgesehen davon sieht Lehner bei den Rahmenbedingungen Licht- und Schattenseiten. „So könnte die FlexCo die Mitarbeiterbeteiligung verbessern und die Fungibilität von Anteilen. Das ist nicht nur bei Neugründungen wichtig, sondern auch bei Etablierten.“ Ein Problemfeld stellt für ihn die Sozialversicherung dar: „Weil das Handling extrem komplex ist. Selbst Experten scheitern teilweise an den Formalitäten.“ Und wie sieht es bei den so oft geschundenen Steuern aus? Lehner wünscht sich ein steuerliches Privileg bei Risikokapital und Bewegung bei der Behaltefrist. Steuern seien ebenso pragmatisch zu betrachten. Für den Experten liegt es mehr am Mindset, wie es in Irland gegeben ist. „Irland ist sehr unternehmerfreundlich. Sie haben eine geringe KÖSt, doch die müssen sie aber wegen der OECD-Mindestbesteuerung nun in die Höhe schrauben. Diese liegt nun bei einer Mindeststeuer von 15 Prozent.“ Für Erich Lehner ist daher das Kapitel Steuern nur eines von vielen. „Es geht um kurze Behördenwege, gute Rahmenbedingungen, stabile politische Verhältnisse, qualifizierte Facharbeiter oder starke Universitäten. Das alles ist weit wichtiger als steuerliche Aspekte.“ n „Im Tatort ist immer der UNTERNEHMER der Gauner“ Erich Lehner berichtet, dass Österreich bei Förderprogrammen und Infrastruktur ganz vorne ist, sieht bei Finanzierung, soziokulturellen Faktoren und unternehmerischer Ausbildung aber Luft nach oben. Wir fördern Unternehmen mit öffentlichem Risiko, wenn es aber um die Ernte dieser Früchte geht, ziehen uns US- oder asiatische Investoren Intellectual Properties ab. Erich Lehner Partner und Geschäftsführer EY Österreich

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