Chefinfo Magazin 9-23

FINANZEN 56 | CHEFINFO | 9/2023 FOTO: LEON NEAL / AFP / PICTUREDESK.COM 60 Millionen Fahrgäste nutzten 2022 weltweit die Angebote von Flixbus und Flixtrain. ben, was sich dann trotz knapp kalkulierter Preise auch für die Partnerunternehmen rechnet. Bleiben die Fahrgäste aus, wird eine Strecke wie jene von Linz nach Graz eingestellt. Die Gründe liegen im offenbar gut verkauften Klimaticket, das für Flix-Angebote nicht genutzt werden kann, sowie einer verbesserten ÖBB-Zugverbindung zwischen den beiden Städten. Auch in Deutschland wurden nach der Einführung des 49-EuroTickets Frequenzen ausgedünnt und die Taktung bei einigen Strecken reduziert. 1,5 Milliarden Euro Umsatz Diese Ungleichbehandlung ärgert die Flix-Partner, die während der Coronapandemie schwer unter der Last hoher Einnahmeausfälle bei unveränderten Leasingkosten zu leiden hatten. Für Co-Gründer und Flix-CEO André Schwämmlein unverständlich, weil für ihn Fernbusse das CO2-ärmste Verkehrsmittel sind. Dieser Gedanke spielte bei der Gründung eine Rolle. Man nutzte die Chance eines deregulierten Busmarkts in Deutschland, um unternehmerisch tätig zu werden – und gleichzeitig etwas zu machen, das für die Gesellschaft relevant sein kann. Busfahren sollte wieder cool werden, junge Leute aus Autos und Flugzeugen holen. Mit dieser Wachstumsstory überzeugte man früh erste Investoren wie MercedesBenz. An Bord sind namhafte Investoren wie General Atlantic, Permira, TCV, HV Capital, Blackrock, Baillie Gifford und Canyon Partners. Die drei Gründer, André Schwämmlein, Jochen Engert und Daniel Krauss, halten rund 25 Prozent der Anteile. Heuer hat das Unternehmen erstmals Geschäftszahlen veröffentlicht. Demnach liegt der Umsatz für das Jahr 2022 bei etwas mehr als 1,5 Milliarden Euro. Der Halbjahresumsatz 2023 wurde auf 860 Millionen Euro beziffert, ein Plus von 54 Prozent, und die operative Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf 3 Prozent. Im Vorjahr zählte man 60 Millionen Fahrgäste, in den ersten sechs Monaten des Jahres 2023 nutzten nach eigenen Angaben 36 Millionen die Flix-Angebote – ein Plus von 53 Prozent. Für Schwämmlein wird die „globale Wachstumsstory“ weitergeschrieben. Wachstum kostet Geld Das Wachstum samt den Übernahmen der europäischen Sparte von Megabus oder Greyhound kostet Geld – für das amerikanische Traditionsunternehmen blätterte Flix umgerechnet 148 Millionen Euro hin. Zuvor erhielt das Unternehmen rund 531 Millionen Euro an Kapital. Diese Finanzierungsrunde liegt nun auch schon mehr als zwei Jahre zurück. Seit dem Markteintritt in die USA im Jahr 2018 halten sich Gerüchte um einen baldigen Börsengang. 2019 hieß es, Flixbus sei für ein Listing bereit. Auch heuer wollte sich Schwämmlein nicht festlegen, ein IPO sei lediglich eine Option. Drei Banken sollen aber als Berater bereits ausgewählt worden sein: JP Morgan, Goldman Sachs und BNP. Der Unternehmenswert von Flix wird mit drei Milliarden Dollar taxiert. Das Um und Auf ist der Erfolg in den Vereinigten Staaten. Der Kauf von Greyhound mit seinen 3.800 Stopps und vielen eigenen Stationen war laut Schwämmlein die richtige Entscheidung. „Die Netze ergänzen sich sehr gut, während Flixbus stark auf den Hauptstrecken zwischen den Metropolen unterwegs ist, hat Greyhound ein landesweites Netz.“ Außerdem sei Greyhound eine in den gesamten USA bekannte Marke. „Es hätte sehr lange gedauert, das für Flixbus aufzubauen“, bekennt Schwämmlein. n Hoch gepokert: Mit der Übernahme von Greyhound ist Flixbus zur Nummer eins in Amerika aufgestiegen. www.vkb.at/wachsenwirgemeinsam Jetzt Termin vereinbaren!

RkJQdWJsaXNoZXIy NzkxMTU1