Chefinfo Magazin 9-23

9/2023 | CHEFINFO | 55 54 | CHEFINFO | 9/2023 FOTO: MARCEL VAN HOORN / ANP / PICTUREDESK.COM FINANZEN FINANZEN FOTO: CHRISTIAN CHARISIUS / DPA / PICTUREDESK.COM Der Name „Greyhound“ ist in Amerika so geläufig wie CocaCola oder Apple. Die silberglänzenden Fernreisebusse mit dem Windhund-Logo stehen für das Freiheitsgefühl der US-Nachkriegszeit und sind Teil der nationalen Identität. Wenn das 1914 vom schwedischen Einwanderer Carl Eric Wickman gegründete Busunternehmen nächstes Jahr sein hundertjähriges Jubiläum feiert, dann klingen auch in München im Bürogebäude an der Friedenheimer Brücke die Sektgläser. Dort sitzt der um neunzig Jahre jüngere Eigentümer der US-Ikone namens Flix SE. Der 2013 von drei Studenten ins Leben gerufene MobilitätsMit günstigen Flixbus- Angeboten durch Europa zu reisen soll vor allem junge Generationen ansprechen. Von der Überholspur an die Börse MOBILITÄT. In nur einem Jahrzehnt schaffte es Flixbus vom Startup zum größten Fernbusanbieter in Europa und in den USA. Als potenzieller Börsenkandidat müssen die Münchner mögliche Investoren mit guten Zahlen überzeugen. TEXT: Klaus Schobesberger dienstleister ist seit seiner Gründung auf der Überholspur. In nur zehn Jahren avancierte das Startup zum größten Fernbusanbieter in Europa. Die Marke Flixbus fährt in 40 Ländern fast 3.000 Destinationen an, bietet mehr als 400.000 Verbindungen und beschäftigt rund 5.000 Mitarbeiter. Außerhalb Europas ist Flix neben den USA in Kanada und Brasilien unterwegs. Nächstes Jahr ist der Markteintritt in Indien geplant – mit 1,42 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Welt. Mit der Übernahme der angeschlagenen Greyhound-Linie inklusive ihrer 1.000 Busse im Jahr 2021 ist Flix auch die Nummer eins auf dem US-Fernbusmarkt. Lernen vom Silicon Valley Gewöhnlich geben Gründer aus Amerika die Trends vor und die Europäer hecheln hinterher. Startups aus Europa, die in den USA erfolgreich den Markt aufrollen, lassen sich hingegen an einer Hand abzählen: Spotify, Klarna, HelloFresh – oder eben Flix. Hinter diesem außergewöhnlichen Wachstum steckt kein herkömmliches Busunternehmen, sondern ein schnell skalierbares Geschäftsmodell, das als Symbiose aus einem Franchisesystem à la McDonald’s und Plattformmodellen wie Airbnb beschrieben wird. Der Fernbusanbieter vermittelt die Fahrten und kümmert sich um Kundendienst, Netzplanung, Qualitätsmanagement oder das Marketing – und garantiert eine Mindestauslastung. Die grünen Busse – und seit 2018 auch Züge der Marke Flixtrain – werden von mittelständischen Vertragsunternehmen gefahren. Sie finanzieren die Fahrzeuge, sorgen für den grünen Anstrich und die notwendige Ausstattung, zahlen die Gehälter der Fahrer und tragen einen Großteil des Risikos. Einzig die Greyhound-Busse belasten die Bilanz von Flix. In Österreich ist Flixbus seit 2015 unterwegs. Kooperationspartner sind die Wiener familiengeführten Busunternehmen Dr. Richard und Blaguss. Ab einer Auslastung von 60 Prozent soll eine Flixbus-Linie Gewinn schrei- André Schwämmlein, Gründer und CEO von Flix SE, macht mit Flixtrain der Deutschen Bahn Konkurrenz. Ô

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