Sie ließen die Katze aus dem Karton Eine gute Dreiviertelstunde benötigt man mit dem Auto bis nach Ried im Innkreis. Eine Stadt, die bekannt für innovative Gründungen ist, die globale Weltmarktführer ebenso beheimatet wie Hidden Champions und auch so manch erfolgreiches Startup. Ob sie als Startup oder klassisches Unternehmen bezeichnet werden wollen, ist den Gründern von DoPetMe ziemlich egal. Das Unternehmen vertreibt im Web nachhaltige Katzenhäuser aus Karton samt Tierschutzaspekt. Die Gründer David Bader-Egger (26), seine Freundin Teresa Stockinger (28) und E-Commerce-Kenner Marco Benhammadi (26) verbindet eben nicht nur eine GmbH, die im April 2023 gegründet wurde, sondern auch die Liebe zu Katzen. Schon mit 18 Unternehmer Die Idee war geboren, der Prototyp gebaut, ein Lieferant gefunden. „Das war ein echter Glücksgriff. Man muss erst Lieferanten finden, die sich auf ein junges Unternehmen einlassen, das anfangs nicht die großen Stückzahlen bringt“, erzählt Geschäftsführer David Bader-Egger. Es ist nicht seine erste Gründung. Schon mit 18 hob der Absolvent der Maschinenbau-HTL die Stockanalyzer GmbH, die sich auf Aktienanalyse spezialisiert hat, aus der Taufe. „Am Anfang habe ich den Eltern das gar nicht erzählt. Ich habe es einfach gemacht und es läuft.“ Wie bei Stockanalyzer war auch bei DoPetMe viel Learning by Doing gefragt. „Wir haben fast alles selbst gemacht, das Design, die Plattform oder die Anbindung an die Zahlungsdienstleister. Alles mit YouTube-Videos und Shoppify-Learnings. Für die Plattform an sich brauchten wir also wenig Geld, investierten aber viel Zeit.“ Einen Shop zu bauen, um seine Produkte zu verkaufen, ist das eine, was viele Jungunternehmer aber unterschätzen, ist es, am Markt auch gesehen zu werden. Das gelang DoPetMe durch ein Bündel von Maßnahmen und professionelles Empfehlungsmarketing. DoPetMe konnte bereits mehrere Hundert Katzenhäuser verkaufen. Doch sich zufrieden zurückzulehnen ist nichts für das Gründerteam. „Wir müssen uns immer fragen: Was hätte der Kunde gerne? Jetzt produzieren wir gerade Fotos von eingefärbten und gemusterten Katzenhäusern. Zusätzlich sind wir dabei, einen Kratzbaum und ein Katzenbett aus Karton zu entwickeln. Man muss immer etwas neues bieten.“ Stets „eingebaut“ ist bei DoPetMe der Tierschutz. Noch ist die Spende am Ende der Kauftransaktion freiwillig, künftig will DoPetMe aber mehr. „Wenn wir ein bisschen größer sind, wollen wir selbst einen Teil des Umsatzes an den Tierschutz spenden.“ 24 | CHEFINFO | 9/2023 COVERSTORY Ô CHEFINFO: Welche rechtlichen Fallen können, ganz allgemein, bei einer Gründung lauern? Roland Zimmerhansl: Aus meiner langjährigen Erfahrung zeigt sich, dass die rechtliche Form des Unternehmens besonders relevant ist. So können etwa nur im Firmenbuch eingetragene Unternehmen einen Prokuristen bestellen, nicht aber ein bloßer Einzelunternehmer. Oftmals ist die Frage der Haftung für Unternehmensverbindlichkeiten bei der Wahl der Rechtsform entscheidend. Für eine erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit ist ja nicht nur eine gute Geschäftsidee, sondern auch die entsprechende Umsetzung wichtig. Gibt es mehrere handelnde Personen oder lediglich einen Tätigen bzw. was soll passieren, wenn dieser dann ausfällt? Generell sind zahlreiche Rechtsvorschriften zu beachten und zu bedenken, sodass es in jedem Fall sinnvoll ist, eine umfangreiche Rechtsberatung vor dem Start in die Selbstständigkeit in Anspruch zu nehmen, denn schon alleine bei der richtigen Erstellung einer Rechnung kann es zu Problemen kommen. Was müssen Einzelunternehmer rechtlich beachten bzw. was sind die häufigsten Fehler? Zimmerhansl: Besonders zu beachten ist bei Einzelunternehmern die Haftung. Er haftet nicht nur mit seinem Betriebs-, sondern auch mit seinem Privatvermögen für alle Verbindlichkeiten. Gerade in Krisenzeiten, und wenn die Liquidität knapp ist, wird oftmals vom Einzelunternehmer nicht mehr zwischen Privat- und Firmenvermögen unterschieden, was für den Betrieb oft fatale Folgen hat. Worauf muss man bei der Gründung von KGs oder OGs, also mit mehreren Personen, aufpassen? Zimmerhansl: Anzuraten ist jedenfalls die Abfassung von schriftlichen Verträgen, die auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Gesellschafter Rücksicht nehmen. Von bloßen ausgefüllten Musterverträgen rate ich ab. Zum Zeitpunkt der Gründung schließen sich in der Regel nur Personen zusammen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen und zusammenarbeiten wollen. Im Laufe der Zeit stellt sich oft heraus, dass einzelne Gesellschafter unterschiedliche Lösungsansichten oder Arbeitsweisen haben. Klare schriftliche Regelungen, auf die man sich vor einer Krise oder Unstimmigkeit geeinigt hat, helfen, um sich dann nicht gegenseitig zu blockieren. Ab wann zahlt sich eine GmbH aus bzw. mit welchen (Folge)Kosten muss man rechnen? Zimmerhansl: Eine GmbH kann in Österreich relativ rasch und kostengünstig gegründet werden, und wird am Markt trotzdem als „seriös“ eingestuft. Für eine gründungsprivilegierte GmbH sind Gesamtkosten von etwa 3.800 Euro zu veranschlagen. Nachdem mir persönlich kein Unternehmen bekannt ist, welches ohne jedwede Liquidität im Gründungsstadium auskommt, kann ich jedem Unternehmensgründer anraten, zumindest eine solche gründungsprivilegierte GmbH mit einer Stammeinlage von 10.000 Euro zu verwenden und diese Einlage voll einzuzahlen, da in weiterer Folge ohnedies mit diesem vorhandenen Betrag gewirtschaftet werden kann. Eine Gründungsprivilegierung endet spätestens zehn Jahre nach der Eintragung, sodass dann der Rest auf die gesetzliche Stammeinlage von 35.000 Euro nachzuzahlen ist. GRÜNDUNG UND RECHT. Welche rechtlichen Stolpersteine könnten auf Gründer warten und welche Gesellschaftsform sollen sie wählen? Rechtsanwalt Roland Zimmerhansl klärt auf. 9/2023 | CHEFINFO | 25 FOTO: SDSP Gerade in Krisenzeiten und wenn die Liquidität knapp ist, wird oftmals vom Einzelunternehmer nicht mehr zwischen dem Privat- und Firmenvermögen unterschieden. Roland Zimmerhansl Rechtsanwalt, Partner SDSP Die Rechtsform ist besonders relevant Roland Zimmerhansl rät, vor der Gründung eine Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen, da selbst die richtige Erstellung einer Rechnung Probleme bringen kann. Das nachhaltige Katzenhaus von DoPetMe erobert neue Märkte. Das Startup bekam dafür eine Exportförderung. 69,4 Prozent der Unternehmen sind nach fünf Jahren noch am Markt aktiv. FOTOS: DOPETME, OFFICE@FOTOGRAFIEKARINSCHWARZ.AT / DITACHMAIR & PARTNER Gründer müssen vorsichtig agieren. Am besten haben sie einen Finanzplan, der dann mit dem Steuerberater gecheckt wird. Bernhard Ditachmair Geschäftsführer Ditachmair & Partner
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