Chefinfo Magazin 9-23

ben kennt der Steuer- und Unternehmensberater Bernhard Ditachmair aus seiner Praxis: „Viele kleinere Dienstleister, vor allem aus dem Gesundheitsbereich oder der Kosmetik, hören relativ rasch wieder auf, weil ihnen die Kunden fehlen.“ Dass dennoch so wenige scheitern, erklärt sich Dietachmair auch mit erhöhter Sensibilität seitens des Finanzamts: „Einzelunternehmer müssen etwa das Formular Verf24, Kapitalgesellschaften Verf15 und Personengesellschaften Verf16 ausfüllen. Verf24 ist ein standardisierter Fragebogen, der erhebt, ob Verluste oder Gewinne erwartet werden. Wenn Verluste erwartet werden, schaut man sich die Ausgabenstruktur an.“ Verluste, die sich bei Tätigkeiten, die einen Gewinn erwarten lassen, über drei Jahre erstrecken, können vom Finanzamt als Liebhaberei deklariert werden. „Der Zeitraum kann bei plausibler Gewinnprognose verlängert werden. Liebhaberei ist steuerlich nicht gegenrechenbar und man bekommt auch keine Vorsteuer zurück.“ Generell rät Ditachmair daher schon beim Antrag auf eine Steuernummer, einen Steuerberater ins Boot zu holen. „Gründer müssen vorsichtig agieren. Am besten haben sie einen Finanzplan, der dann mit dem Steuerberater gecheckt wird. Der Steuerberater ist schließlich auch so etwas wie der erste Unternehmensberater.“ Junge Gründer sind besser vorbereitet Alexander Stockinger sieht vor allem bei jungen Gründern einen klaren Plan. „Junge sind tendenziell besser vorbereitet. Sie recherchieren mehr und bereiten ihre Pläne gut auf. Das ist ein Unterschied zu Älteren, die teilweise komplett blank sind.“ Und die Gründer werden generell jünger: „Das Alter sinkt: Vor ein paar Jahren lag das Durchschnittsalter bei 39, jetzt bei 37 Jahren. Stockinger erklärt sich den Trend unter anderem mit mehr Sensibilisierung für Unternehmertum durch Schulen und Medien, dazu kommt der Drang nach mehr Selbstbestimmung und dass es mehr Rolemodels gibt. Zudem helfen „Förderungen und Betreuungseinrichtungen in der unternehmerischen Anfangszeit“. Die beliebtesten Branchen für Neugründungen sind übrigens: „Seit Jahren die Personenbetreuer auf Platz eins“, Platz zwei geht an UBIT „mit Schwerpunkt IT“ und auf Platz drei liegen die persönlichen Dienstleister, „hier fallen etwa die Energetiker hinein“. Mit viel Energie gründete auch Daniela Six. Filmreife Karriere Es geht von Grein stromaufwärts nach Linz. Die 36-jährige Daniela Six kann auf eine deutlich positivere Gründungserfahrung zurückgreifen als Philipp Schreyer, und das obwohl ihr Selbstständigkeit lange gar nicht in den Sinn kam (siehe Interview). Dennoch wurde aus der Sozialarbeiterin eine Unternehmerin und Filmemacherin, die mit Filmdosis e. U. nun alten und neuen Job verbindet. Ihre Spezialität: Filme für den Sozial- und Gesundheitsbereich. Erst mit der Zeit erkannte sie diese Nische, die sie nun mit Leidenschaft ausfüllt. „Ich habe 2019 gegründet, die ersten Aufträge waren für 2020 geplant und dann kam Corona. Doch ich hatte Glück im Unglück, denn es rief mich das Ordensklinikum Linz an. Sie benötigten verschiedene Videos, in dem Krankheiten erklärt werden, weil das Personal keine Zeit hatte, Patientengespräche zu führen. Mit dem Medium Film hat man diese Lücke behoben.“ 20 | CHEFINFO | 9/2023 Ich möchte ein gutes Leben leben. Mir geht es nicht darum, reich zu werden, sondern Spaß daran zu haben, mich weiterzubilden und vor allem, die Kunden zufriedenzustellen. Tanja Steiner Inhaberin Barberellas Barbershop, Aschach Ô CHEFINFO: Wie kamen Sie als damals 21-Jährige auf die Idee, einen Barbershop aufzumachen? Tanja Steiner: Ich habe, ganz konventionell, Damen- und Herrenfriseurin gelernt, bekam dann aber Probleme mit meinen Handgelenken. Das trat vor allem beim Föhnen, Färben und Frisieren von langem Damenhaar auf. Dafür hatte ich ein ärztliches Attest und wollte den Beruf schon aufgeben. Ich wollte mich zur Bürokauffrau umschulen lassen. Das AMS meinte aber, dass das nicht geht, weil es meine Arbeit als Friseurin zwar erschwert, aber nicht unmöglich macht. Als Übergangslösung arbeitete ich in einem Schichtbetrieb, bis ich hörte, dass der Barbershop in Eferding Leute sucht. Ich habe zwei Jahre lang dort gearbeitet. Mein Freund meinte schließlich, ich solle mich selbstständig machen. Er hat mir gut zugeredet, ich würde viel und gerne arbeiten, und er steht hinter mir. Im Herbst 2019 begann ich dann mit dem ÖSB-Gründerprogramm. Hat das Programm geholfen bzw. gab es Hürden auf dem Weg zur Selbstständigkeit? Steiner: Ich musste in diesem Programm alles parallel machen. Man hat dafür neun Monate Zeit. Man muss in der Zeit einen Laden suchen, Prüfungen und Ausbildungen machen. Plötzlich hieß es, dass ich den Meister nachmachen müsse, sprich die gesamte Meisterausbildung, auch Damen, samt Kosmetik und Maskenbildnerei. Das war extrem zeit- und kostenintensiv. Ich hatte die Theorie bestanden, die Unternehmerprüfung auch, hatte also vier von fünf Modulen, bin aber beim Praxisteil durchgefallen. Genau dann, als ich fast alles fertig hatte, hieß es: Sie können ja eine eingeschränkte Gewerbeberechtigung nur für Herren machen. Da war ich extrem sauer und bin es teilweise heute noch. Ich habe mich vorher intensiv erkundigt, bekam aber die falsche Auskunft. Da hätte ich mir mehr Kompetenz erwartet. Die eingeschränkte Berechtigung kostete 600 Euro, der Meister rund 5.000 Euro. Dazu kamen die ganzen Utensilien, die ich als Herrenfriseurin nicht brauche. Das hat mich viel Zeit, Nerven und Geld gekostet. Am Ende habe ich dann doch den Meister fertiggemacht und bin jetzt froh, dass ich ihn habe. Haben Sie die Entscheidung dann bereut oder war der Weg trotzdem der richtige? Steiner: Ich habe keinen Tag bereut, aber hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich es nicht gemacht. Ich bin kein risikobereiter Mensch. Normalerweise ist bei mir immer alles geplant. So musste ich mich aufgrund der Umstände anfangs ein wenig durchwursteln. Doch der Job macht Spaß und das Geschäft läuft so gut, wie ich es mir nie erträumen hätte können. Ich habe keinen Chef, kann meine Öffnungszeiten gestalten, wie ich es will, und auch das Administrative taugt mir. Ich habe gerne den Überblick über alles. Denken Sie daran, sich zu vergrößern und Mitarbeiter anzustellen? Steiner: Mitarbeiter anzustellen war mal ein Gedanke, aber es ist mir zu kompliziert und zu unkalkulierbar. Allerdings kann ich mein Unternehmen nicht vergrößern, wenn ich alleine arbeite, und ich bin schon am Limit meiner Kapazitäten. Sag niemals nie, vielleicht passt es irgendwann einmal. BARBERELLAS. Fast hätte sie ihren Beruf an den Nagel gehängt, doch Tanja Steiner startete durch und gründete ihren eigenen Barbershop. Ein Karriereweg, der über unnötige Stolpersteine zum Erfolg führte. 9/2023 | CHEFINFO | 21 FOTOS: BARBERELLAS BARBERSHOP ASCHACH Ich habe mich vorher intensiv erkundigt, bekam aber die falsche Auskunft … Das hat mich viel Zeit, Nerven und Geld gekostet. Tanja Steiner, Inhaberin Barberellas Barbershop, Aschach „Ich habe keinen Tag bereut“ Tanja Steiner beschloss mit 21, sich selbstständig zu machen. Hätte sie gewusst, was auf sie zukommt, hätte sie die Pläne verworfen. Doch sie meisterte alle Hürden und bereut heute keinen einzigen Tag. Tanja Steiner, Inhaberin von Barberellas Barbershop, saß einer Falschinformation auf, die einen langwierigen Umweg einbrachte. Heute ist sie als Unternehmerin dennoch restlos happy.

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