Chefinfo Magazin 9-23

Ich nehme das Ding einfach, trage es nach draußen und nach 15 Minuten ist der Schrotdurchgang beendet, wo ist das Problem?“ Dann wurde ein fehlendes Gasflaschenlager bemängelt. „Der Techniker verwechselte dabei Propangasflaschen mit Kohlensäure, das war nur mehr kurios. Schließlich meinte er: Das ist eh nur zusammengekauftes Zeug, und der Herr von der BH meinte: So viel wird das nicht gekostet haben. Ich habe mich so was von verarscht gefühlt.“ Für das „zusammengekaufte Zeugs“ musste Schreyer 15.000 Euro investieren, mit all den behördlichen Auflagen und Nachbesserungen, die schon vor dem Lokalaugenschein immer wieder gefordert wurden, kostete ihn die Brauanlage, die er gewerblich nicht in Betrieb nehmen durfte, mehr als das Dreifache. Kosten, auf denen er sitzenblieb. „Ich habe 50.000 Euro investiert, ohne ein einziges selbst gebrautes Bier verkauft zu haben.“ Zum „Schreyen“ Schließlich ließ er sein Märzen in Lohnfertigung bei Loncium in Kärnten brauen und kann es heute als Handelsfirma vertreiben. „Es heißt immer: Gründet Jungunternehmen und Startups, aber mit diesem Amtsdeutsch und Bittstellertum werden viele Gründungen im Keim erstickt. Man redet immer gerne über die Erfolgsstorys, aber nie über das Scheitern. Ich bin genug gescheitert und habe mich selbst oft hinterfragt. Jetzt habe ich trotzdem mein eigenes Bier.“ Wenn er nun bei seinem Lieblingswirt in Grein sein Ackerbürger Bräu Märzen trinkt, vergisst er die Leidensgeschichte. „Meine Freundin hat mich psychisch unterstützt und mir geholfen, meinen Traum zu verwirklichen, denn ich war wirklich fertig.“ Unterstützung bekam er auch von der WKO. „Die haben das auch nicht mehr verstanden. Ich hätte Franz Rummerstorfer von der Bezirksstelle in Perg früher ins Boot holen sollen. Er hat mich sehr unterstützt, aber natürlich kann auch er nicht auf die Behörde einwirken.“ Schreyer versteht heute noch nicht, was das Problem bei der Zulassung seiner Brauanlage war. Ein Knackpunkt war die Befeuerung der Anlage mit Gas. Trotz Nachrüstung auf eine Gasbefeuerung, die für den Innenraum zugelassen ist – mit weiteren nicht unerheblichen Kosten verbunden –, blieb es beim „Njet“ der Behörde. „Der Hammer ist ja der, dass etwa die Befeuerung von Brauanlagen mit Gas in den Bezirken unterschiedlich geregelt ist. Ein Braukollege in Steyr darf das in geschlossenen Räumen, in Perg darf man das nicht. Das ist einfach ein Wahnsinn.“ Nach drei Jahren sind noch acht von zehn aktiv Auch wenn er kurz davorstand, hat Schreyer nicht aufgegeben. Laut dem Global Business Report von „Utility Bidder“ sind in Österreich 85,7 Prozent aller neu gegründeten Unternehmen nach dem ersten Jahr noch am Markt. Das ist Rang sieben in der EU. Alexander Stockinger vom WKOGründerservice kennt die Langzeitbetrachtung: „Nach drei Jahren sind noch 80,6 Prozent, nach fünf 69,4 Prozent am Markt.“ Gründe fürs Aufge18 | CHEFINFO | 9/2023 COVERSTORY 85,7 Prozent aller neu gegründeten Unternehmen sind nach einem Jahr noch am Markt. Ich stecke mir für jedes Jahr ein Umsatz- und ein projektbezogenes Ziel. Langfristig ist es mein Plan, meine Projekte regulär ins Kino zu bringen. Daniela Six Inhaberin Filmdosis e. U. FOTOS: FILMDOSIS Ô CHEFINFO: Sie schreiben auf Ihrer Homepage, Sie hätten Ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Wieso haben Sie Ihren alten Beruf verlassen und sich für die Selbstständigkeit entschieden? Daniela Six: Mein gelernter Beruf ist Sozialarbeiterin mit Schwerpunkt auf Strafvollzug und psychisch kranken Straftätern. Später arbeitete ich dann mit Jugendlichen. Ich habe bemerkt, dass mein Beruf hauptsächlich mit reden zu tun hat, und das war mir zu wenig kreativ. Ich habe in meiner Freizeit immer etwas Kreatives gemacht, gezeichnet, fotografiert oder Spaßvideos gedreht. Ich ging in Bildungskarenz, bewarb mich an der FH St. Pölten für Film, TV & Media Creation and Distribution und wurde genommen. Anfangs dachte ich noch, ich müsse das neue Wissen in meinen Job als Sozialarbeiterin einbringen. Während des Studiums bekam ich immer wieder kleine Aufträge für Pro Mente plus und FAB. Danach versuchte ich, einen Job in einem Filmunternehmen zu bekommen. Ich war wohl nicht mehr so jung und unbedarft und bekam keinen Fuß in die Branche. Ich stand vor einer geschlossenen Tür und habe bemerkt, dass ich sie selbst aufmachen muss. Jetzt läuft es richtig gut. Ich habe nicht das Gefühl, dass es eine Arbeit ist, die mir jemand anschafft. Wie fühlten Sie sich auf die Selbstständigkeit vorbereitet? Six: Ich besuchte das Kreativwirtschaftscoaching C hoch 3 der WKO und das war richtig gut. Wir wurden auch zu den Themen Steuern und Sozialversicherung gut geschult. Nichtsdestotrotz braucht man unbedingt einen Steuerberater. Man glaubt am Anfang, man kann alles alleine machen, aber das geht sich nicht aus. Ich habe mir anfangs auch bei der Preisfindung schwergetan und mich zu Beginn eher unter Wert verkauft. Das erzählt dir auch keiner, weil sich niemand in die Karten schauen lässt. Mittlerweile habe ich einen ersten fix angestellten Mitarbeiter für Schnittarbeiten. Das war am Anfang mit sehr viel Druck verbunden. Es kamen einige Fixkosten auf mich zu, mit denen ich nicht gerechnet habe. Doch ich bekam eine Förderung des AMS und vom Land Oberösterreich. Die Initiative 1PLUS1 fördert Lohnkosten für den ersten Angestellten. Jetzt passt das perfekt. Ich kann langfristiger Projekte planen, und wenn ich krank werde, kann mein Mitarbeiter die Kunden betreuen. Es hängt nicht mehr nur an einer Person. Wie unterscheiden Sie sich von anderen Film- und Videoproduzenten? Da gibt es ja einige. Six: Während C hoch 3 habe ich bemerkt, dass es zwar viele Filmproduktionsfirmen in Linz gibt, aber keine den Fokus auf Soziales legt. Das ist meine Nische. Im Mittelpunkt meiner Filme stehen immer Menschen. Meist war es so, dass Videos oder Spots von Sozialeinrichtungen immer ein wenig selbstgemacht aussahen, während Werbung für irgendein Produkt in höchster Qualität produziert wird. Ich habe den Anspruch mein Produktions-Know-how dafür einzusetzen, dass diese hohe Qualität im Bereich der Wirtschaft sich auch im Sozialbereich fortsetzt. Die Herausforderungen sind dabei andere. Sie wollen nicht, dass ihre Leute vorgeführt werden, die Thematik ist sensibler. Es braucht also Vertrauen. Da ich die Branche kenne, genieße ich dieses Vertrauen. FILMDOSIS E.U. Für Daniela Six war es fix: Ihr alter Beruf entsprach zu wenig ihrem kreativen Talent. Das lebt sie nun mit ihrer Filmproduktionsfirma aus. Die Skills ihres alten Jobs halfen, eine Nische zu finden. 9/2023 | CHEFINFO | 19 Ich stand vor einer geschlossenen Tür und habe bemerkt, dass ich sie selbst aufmachen muss. Daniela Six Inhaberin Filmdosis e. U. „Ich habe nicht das Gefühl, dass es Arbeit ist“ Daniela Six dachte erst an Selbstständigkeit, als sie bemerkte, dass ihre kreativen Fähigkeiten einen Markt haben und Nachfrage auslösen. Daniela Six wusste anfangs nicht, wie sie einen Fuß in die Filmszene bekommen sollte, bis sie sich auf ihre Stärken und ihren beruflichen Background besann.

RkJQdWJsaXNoZXIy NzkxMTU1